Geschichte

Spuren im Sand

Schon Jahrtausende, bevor der Name Saerbeck erstmals in der schriftlichen Überlieferung erschien, lebten Menschen in unserem Raum. Die ältesten archäologischen Belege aus dem Gemeindegebiet reichen etwa 11.000 Jahre zurück und stammen aus einer eiszeitlichen Jäger- und Sammlerkultur der ausgehenden Altsteinzeit.

Von der Jungsteinzeit an weisen zahlreiche Funde auf feste Ansiedlungen entlang des Ladbergener Mühlenbaches, der Glane und der Ems hin. Hervorzuheben ist ein großes Gräberfeld der späten Bronzezeit und der frühen Eisenzeit. Es wurde beim Bau der Ortsumgehung B 219 vom Westfälischen Museum für Archäologie/Amt für Bodendenkmalpflege, Münster, ausgegraben. Über 50 Urnenbestattungen, viele davon mit bronzenen Beigaben versehen, konnten aus dieser rund dreitausend Jahre alten Grabanlage geborgen werden.

Archaeologische Ausgrabung 02   Archaeologische Ausgrabung    Urkataster Hof Muenninghoff Hof Hunnekuhl

Eine bäuerliche Siedlung bekommt einen Namen

Mit den schriftlichen Quellen des Mittelalters bekommt unser Siedlungsraum einen Namen. Aber nicht mit einer Gründungsurkunde beginnt die schriftliche Überlieferung zu Saerbeck, sondern mit einer Verwaltungsakte. Die „Freckenhorster Heberolle" aus der Zeit um 1100 nennt die dem Stift Freckenhorst zu Naturalabgaben verpflichteten Bauernhöfe, darunter auch „sarbikie Hoio", der Roggen an das Stift zu liefern hatte.

In einer kaiserlichen Urkunde aus dem Jahr 1122 wird dem Kloster Cappenberg der Besitz des „curtis sorbecke", des Oberhofes Saerbeck, bestätigt. Eine weitere Besitzbestätigungsurkunde für das Kloster, ausgestellt von Kaiser Friedrich I. im Jahre 1161, nennt erstmals eine Kirche in Saerbeck. Die erste urkundliche Nennung einer Pfarrei stammt aus dem Jahr 1196.

Ortsansicht um 1800    Ortsansicht 1880   Besuch Kaiser 1907

Rund um die Kirche

Mit der Kirche und der Pfarrei war der Mittelpunkt für eine dörfliche Ansiedlung gegeben. Es enstand das Kirchspiel Saerbeck, vergleichbar mit der politischen Gemeinde unserer Zeit. Zum Kirchspiel gehörten das Dorf und die Bauerschaften Sinningen, Middendorf, Dorfbauerschaft und Westladbergen. Die Steuererhebung des Bischofs von Münster aus dem Jahr 1498 nennt in der Bauerschaft Sinningen 23 Hofstellen, in Middendorf 20, in der Dorfbauerschaft 24 und in Westladbergen 23.

Im Dorf selbst siedelte vor allem die gewerbetreibende Bevölkerung (Handwerker, Händler) ohne nennenswerten Grundbesitz. Insgesamt dürfte Saerbeck damals 600 bis 700 Einwohner gehabt haben. Vom 15. Jahrhundert bis 1803 war das Kirchspiel Saerbeck dem Fürstbistum Münster unter dem Amt Rheine-Bevergern zugeordnet. Nach der französischen Fremdherrschaft kam Saerbeck 1816 zum Landkreis Münster in der preußischen Provinz Westfalen.

Karges Leben auf sandigem Boden

Bis zur Agrarreform des frühen 19. Jahrhunderts waren nahezu alle Bauernhöfe in Saerbeck Eigentum eines Grundherrn aus Klerus oder Adel. So gehörten im 17. Jahrhundert dem Bischof von Münster und dem Domkapitel Münster als größten Grundherren in Saerbeck zusammen 48 Bauernhöfe. Als Leibeigene waren die Bauern zu Geld- und Naturalabgaben verpflichtet.

Kriegerische Auseinandersetzungen wie der Dreißigjährige Krieg hinterließen ihre blutigen Spuren auch in Saerbeck. Im Jahr 1628 suchte ein spanisches Söldnerheer auf seinem Weg von Münster nach Lingen den Ort auf. Bei der Auseinandersetzung wurden 25 Saerbecker getötet. Ihr Leben ließen auch einige Emsdettener, die den Nachbarn mutig zu Hilfe geeilt waren.

Naturereignisse hatten oft katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft im kargen Sandmünsterland. So vernichtete ein Hagelschlag im Jahr 1832 nahezu die gesamte Ernte der Saerbecker Bauern. Um eine Hungersnot abzuwenden, waren sogar Hilfslieferungen des preußischen Königs notwendig.

Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl Saerbecks auf etwa 1900 an. Wachsender Bedarf an Bau- und Brennholz, Plaggenabstich zur Düngung des Ackerlandes und Beweidung der gemeinschaftlich genutzten Markenflächen reduzierten den Waldbestand. Im 19. Jahrhundert prägten ausgedehnte Heideflächen das Landschaftsbild um Saerbeck.

Heideflaeche    Bauernhof mit Familie um 1930   Wassermuehle Westladbergen

Saerbeck - eine moderne Landgemeinde mit dörflich-landwirtschaftlicher Prägung

Seit Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert führten die Kultivierung der Heideflächen, der Einsatz von Kunstdünger, schließlich die zunehmende Technisierung zu einem Aufschwung in der landwirtschaftlichen Produktion. Etwa 4900 ha der insgesamt 5800 ha umfassenden Gemeindefläche werden heute landwirtschaftlich genutzt.

Belange des Landschafts- und Naturschutzes gewannen in den zurückliegenden Jahren größere Bedeutung: im Gemeindegebiet Saerbeck beträgt die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete heute etwa 612 ha; hinzu kommen über 2000 ha Landschaftsschutzgebiete.

Von den Zerstörungen des 2. Weltkrieges ist Saerbeck zwar weitgehend verschont geblieben, die Nähe des Dortmund-Ems-Kanals als Ziel alliierter Luftangriffe stellte aber in den letzten Kriegsmonaten eine ständige Bedrohung dar. Nach dem Krieg wurde für viele Vertriebene und Flüchtlinge Saerbeck zu einer neuen Heimat.

Als Folge der kommunalen Neugliederung gehört Saerbeck seit dem 1. Januar 1975 zum Kreis Steinfurt. Die Gemeinde konnte sich ihre Selbständigkeit bewahren, musste allerdings im Zuge der Neugliederung Einwohner und Grundfläche an die benachbarten Orte Emsdetten, Greven, Ladbergen und Tecklenburg abtreten.

Natur und Landschaft waren und sind wichtige Vorgaben für den Wohn- und Freizeitwert Saerbecks. Die Gemeinde hat dem unvermeidlichen Strukturwandel durch Ausweisung neuer Baugebiete und Gewerbegebiete Rechnung getragen, so dass Saerbeck inzwischen - wirtschaftlich gesehen - eine „Mischgemeinde" darstellt, in der Gewerbe und Industrie neben Handel und Landwirtschaft eine immer größere Rolle spielen.

Dorfansicht heute   Mehrgenerationenhaus    Luftbild Dorfzentrum

Aber auch Bildung und Kultur haben den Stellenwert, der ihnen gebührt: im Ort gibt es fünf Kindergärten, eine Grundschule und eine Gesamtschule. Die Musikschule, die Volkshochschule und das Kolping-Bildungswerk bieten neben den vielfältigen Aktivitäten der Vereine eine Bereicherung des Kulturlebens und der Erwachsenenbildung. Der zum Bürgerhaus umgebaute ehemalige Hof Jochmaring steht dabei als Veranstaltungsort auch für Versammlungen und Feste den Vereinen und Verbänden zur Verfügung.

Einen besonderen Stellenwert im Herzen vieler Saerbecker haben die Gemeindepartnerschaften mit Ferrières in Frankreich (seit 1994) und mit Rietavas in Litauen (seit 2001).

Über 50 Vereine im Dorf sorgen für ein reges Vereinsleben. Zu Sport- und Freizeitaktivitäten laden das großzügige Sportgelände, Tennisplätze und der Naturbadesee ein. Im Sommer ist hier Startpunkt des Saerbecker Triathlons. Reitsport und Freizeitreiten spielen eine große Rolle im „Dorf im Grünen" - Saerbeck ist mit dem Prädikat „Pferdefreundliche Gemeinde" ausgezeichnet. Und im Jahr 2002 wurde Saerbeck Preisträger im Wettbewerb des Landessportbundes NRW „Die sportgerechte Stadt".

Saerbeck ist aber auch eine innovative Gemeinde, besonders im Bereich regenerativer Energien: in den Wettbewerben der Solar-Bundesliga spielt das Dorf immer ganz vorn mit. Und das hat sich gelohnt: Im Jahr 2009 erhielt Saerbeck für sein „Integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept" die Auszeichnung „NRW-Klimakommune der Zukunft" und Fördermittel zur Umsetzung des Konzeptes. Aktuelle Informationen hierzu unter www.klimakommune-saerbeck.de.

Saerbeck hat es geschafft, in einer überschaubaren, dörflichen Gemeinschaft das zu verwirklichen, was man gern mit dem Schlagwort als „Lebensqualität" bezeichnet. Kein Wunder, dass sich die Saerbecker heute einig sind: „Saerbeck will Dorf bleiben".

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