Studenten-Teams testen Rennautos Marke Eigenbau

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Im Bioenergiepark dreht sich ja nicht alles um Bioenergie; manchmal, wie jetzt im Bunker 2, gibt es auch Ausstellungen, Tanz und Theater. Und auch das, was  da nur wenige Meter weiter am Wochenende los war, hat mit Bioenergie nicht viel zu tun, ist aber trotzdem eine dicke Schlagzeile wert: „Uni-Rennstall in Saerbeck“, „Formel-1-Feeling im Studium“, „Autorennen unter Windrädern“ oder so ähnlich könnte sie heißen. 24 Stunden lang drehten dort ganz besondere Rennautos ungezählte Runden auf einem knapp anderthalb Kilometer langen Kurs zwischen den solarpaneelten Bunkern.

Was es mit diesem zuschauerlosen Benzinspektakel auf sich hat, erzählt Frederic Schröder. Der 23-jährige Sohn des evangelischen Pfarrers Rainer Schröder studiert Elektrotechnik an der Uni in Dortmund und gehört dort zum 2005 gegründeten „Get racing“-Team. Das sind etwa 70 Studenten aus verschiedenen Fachbereichen, die Benzin im Blut und schlaue Ideen im Kopf haben: „Jedes Jahr“, erzählt Frederic Schröder, der seit gut zwei Jahren dazu gehört, „bauen wir einen einsitzigen Rennwagen, der dann auf verschiedenen ,Formula Student´- Events in Europa gefahren wird. Wir planen, konstruieren und fertigen den Wagen in Eigenregie.“

Dabei geht es nicht nur um den Entstehungsprozess eines Traumes, sondern eine ganz Latte studentischer Lernziele: Die gemeinsame Arbeit in diesem Projekt vermittelt nicht nur theoretisches Wissen, die Studenten lernen auch Konstruktions- und Simulationsprogramme, die in weltweit führenden Unternehmen eingesetzt werden. „Die Automobilindustrie“, sagt Frederic Schröder, „Ingenieurdienstleister und Zulieferbranche schauen genau hin, was die angehenden Ingenieure, Designer und Robotikexperten da auf die Räder stellen.“

Und auf der Strecke auch testen, deshalb dieses 24-Stunden-Rennen im Bioenergiepark. „Wir haben erst mal in Dortmund gesucht, aber da hätte das enorm gekostet, wer will auch schon einen Parkplatz kostenlos absperren?“ Ja, und dann hat Frederic Schröder einfach mal im Saerbecker Rathaus nachgefragt und ohne viele Umstände ein Okay bekommen. Danach musste die Strecke sauber gefegt und mit Signalhütchen bestückt werden. Eine Antenne mussten die Studenten noch auf einen Bunker bauen, „weil das Internet hier nicht so dolle ist“; denn über eine Box am Rennauto werden alle Daten direkt an einen Computer in Dortmund geschickt, schließlich gehe es hier nicht um Freizeitraserei, sondern wissenschaftliches Arbeiten.

Für die sich auch Saerbecks künftiger Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg interessierte. Er war gerade noch nebenan bei der Eröffnung der Kunstausstellung, wo das Motorengebrülle der Rennwagen ja nicht zu überhören war. Er schaute sich anschließend in dem zur Werkstatt umfunktionierten Bunker um und durfte auch in einen Rennwagen klettern; der an seiner grünen Lackierung als Rennauto der Wuppertaler Uni zu erkennen ist, die mit den Dortmundern das Rennen fuhr. Übrigens, wie die anderen Rennautos hier auch, mit Motorradmotoren. „Die schaffen es von null auf hundert in gut vier Sekunden“, sagt Frederic Schröder, „nur etwas langsamer als ein Porsche 911.“ Weil Lehberg aber nun mal im Bioenergiepark war, wollte er auch wissen, „warum ihr hier mit Benzinverbrennungsmotoren fahrt“. Schöne Frage, schöne Antwort von Frederic Schröder: „Wir bauen ja schon den nächsten Wagen, und das wird ein Elektro-Auto.“

Letzte Frage an Frederic Schröder, der für das Rennen im Bioenergiepark auch den Rennleiter macht: „Gibt es vielleicht mal eine Wiederholung hier mit Zuschauern?“ Schröders Antwort: „Müssen wir mal sehen, der Ort ist jedenfalls perfekt.“

WN, 13.10.2020, Hans Lüttmann

Bildzeile (Fotos: Hans Lüttmann/WN):
Auf dem Rundkurs zwischen Photovoltaik-Bunkern und Windrädern beschleunigen die Rennautos der „Formula Student“ nicht viel langsamer als ein Porsche 911

Video:
Saerbecks künftiger Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg nimmt Platz auf dem Pilotensitz eines der studentischen Rennautos
 

 

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